Friedhof der Verurteilten (6)

 

Auf dem Gebiet der heutigen Grünanlagen, an der Strecke der St. Gertrudstraβe von Wawel bis zur Dominikańska-Straβe entlang, befand sich einst der Friedhof der Verurteilten (Abb.6). Hier wurden die Unglücklichen beigestattet, deren Leben im Gefängnis zu Ende war, oder diejenigen, die nach dem Gerichtsurteil an dem Schafott oder Galgen hingerichtet wurden.
             
Kein Wunder, dass sich dieser Ort eher eines schlechten Rufes erfreut, denn in den umliegenden Hütten wohnten Leute, die sich nicht besonders edle Machenschaften betreiben. Sie waren Gehilfen vom Henker, belieferten ihn mit Henkersknoten, oder sogar… verkauften heimlich die Leichnamsteile der Verurteilten, die den Abergläubischen zu unterschiedlichen, magischen Praktiken dienten.
             
In dem 15. Jahrhundert errichtete hier ein Krakauer Ratsherr, Mikołaj Wierzynek, ein hölzernes St. Gertrudkirchlein – der Patronin der Verurteilten. Auf diese Weise ehrte er Andenken eines anderen Krakauer Ratherren, seines Vaters, Andreas, der im Jahre 1406 wegen der Unterschlagung von Stadtgelder angeschuldigt, am Krakauer Marktplatz enthauptet und eben an diesem Ort beigesetzt wurde. Nach vielen Jahren führte der Sohn zur Entlastung des Vaters von den Vorwürfen.
             
In der St. Gertrudkirche wurden über ein paar Hundert Jahre hin die heiligen Messen für die Seele des Ratherren Andreas und aller auf dem Friedhof Begrabenen gehalten. Das nach dem schwedischen Überfall stark zerstörte Kirchlein wurde endgültig im Jahre 1810 abgetragen. Wo sich früher die Gräber befanden, wurde einen Rasen gesät und Bäume gepflanzt, während man die Krakauer Grünanlagen formte. An die sterblichen Überreste der Verurteilte erinnert jetzt nur eine kleine, steinerne Kapelle.

 

Die Krakauer Merkwürdigkeiten

Montag, 20 November 2017
01:30:11
aktuelles Wetter in Krakau: